Entscheidungshilfe:
Wehrdienst | Freiwilligendienst | Verweigern?
Seit Januar 2026 bekommen alle 18Jährigen in Deutschland jeweils im Monat ihres 18. Geburtstags einen Brief des Verteidigungsministeriums. In diesem Brief werden sie aufgefordert, einen digitalen Fragebogen auszufüllen, in dem ihre Eignung und prinzipielle Bereitschaft zu einem Staatsdienst abgefragt wird: Neben der Mailadresse muss man den Stand seiner Schul- und ggf. Berufsausbildung angeben, nach dem Führerschein wird gefragt, auch Körpergröße, Gewicht und körperliche Fitness sind ein Thema. Junge Männer müssen innerhalb eines Monats antworten – sonst drohen nach wiederholter Weigerung Bußgelder von bis zu 1000,-€. Die 18jährigen Frauen können sich freiwillig zurückmelden.
Ein Wiedereinsetzen der 2011 ausgesetzten Wehrpflicht ist (noch?) kein Thema – im Moment lockt der Staat deutsche Staatsbürger:innen hauptsächlich mit einem vergleichsweise hohen Sold von mindestens 2600,-€/Monat zum Wehrdienst. Freiwilligendienst oder Katastrophenschutz stehen allen in Deutschland lebenden jungen Menschen offen. Das Entgelt von meist 390,-€ im Monat plus 60,-€ Verpflegungskostenzuschuss und 50,-€ Mobilitätszulage – also maximal 500,-€ monatlich – nimmt sich dagegen eher wie ein Taschengeld aus.

Bin ich im Krisenfall bereit, für mein Land zu kämpfen? Stelle ich meine Arbeitskraft freiwillig für soziale oder ökologische Projekte zur Verfügung? Oder sehe ich mich in keiner Pflicht, einen Staatsdienst zu leisten und verweigere komplett? Bei dieser Gewissensentscheidung sollen die jungen Menschen die evangelische Kirche als unterstützende Institution wahrnehmen – als "Kirche an ihrer Seite". Die Arbeitsstelle Kokon betreut seit 1971 Kriegsdienstverweigerer und Zivildienstleistende. Für die Konfliktberatung der jungen Menschen Jahrgang 2008 haben sich nun zudem 45 Seelsorgende bayernweit ausbilden lassen, zu denen die jungen Menschen ganz niedrigschwellig Kontakt aufnehmen können.
Die Website Kirche an deiner Seite stellt die verschiedenen Optionen Wehrdienst, Freiwilligendienst und Verweigern kurz ergebnisoffen vor, lässt Beratende in Videos zu Wort kommen und vermittelt bei Interesse ein persönliches Beratungsgespräch – als Chat, Telefonat, Videokonferenz oder Gespräch vor Ort.
